Recklinghausen

Zofen lüften 200 Jahre alte Geheimnisse

06.06.2019

ALTSTADT. Miktrinchen und Paulinchen haben in der Ackerbürgerstadt Recklinghausen die Ohren gespitzt.
200 Jahre alte Familienskandale verrät das Duo in einer besonderen Stadtführung am Pfingstmontag.

ten 200 Jahre alte Geheimnisse

Ursula Venn (l.) und Brigitte Wefringhaus plaudern bei einer besonderen Stadtführung am Pfingstmontag
als die Zofen Miktrinchen und Paulinchen aus dem Nähkästen. Schröder


Von Kristina Schröder
Klatsch und Tratsch bewegte die Recklinghäuser schon um 1800. Auch Miktrinchen und Paulinchen können da einiges aus dem Nähkästchen erzählen. „Wir standen im Dienste vieler Familien und haben hinter vielen Türen gelauscht“, erklärt das Duo. Die Skandale können die beiden Plappermäuler auf keinen Fall für sich behalten!

Unter den weißen Hauben stecken Ursula Venn und Brigitte Wefringhaus von der Gilde der Stadtführer. Die beiden haben sich wieder eine ganz besondere Runde ausgedacht: Mit vielen Neugierigen wollen sie am Pfingstmontag, 10. Juni, 200 Jahre zurück in der Recklinghäuser Geschichte reisen. Auf der Breiten Straße vor der Alten Apotheke führen sie zur Probe schon einmal ihre Zofen-Roben aus. „Die Breite Straße heißt so, weil sie früher die breiteste Straße war, weil durch das Viehtor eben das Vieh in die Stadt getrieben wurde“, erklärt Brigitte Wefringhaus.

Bis zur Industrialisierung um 1900 war Recklinghausen eine Ackerbürgerstadt. „Das war eine ganz spannende Zeit“, erklärt Ursula Venn. „Recklinghausen gehörte bis 1800 dem Erzbischof von Köln. Um die Zeit ist am Rhein viel gekämpft worden und die Regierung suchte hier Zuflucht.“ Miktrinchen und Paulinchen waren damals mittendrin. „Was wir als Zofen so belauscht und mitbekommen haben, das plappern wir jetzt alles aus. Wir verraten Geschichten, die können Sie nirgendwo nachlesen“, verspricht Brigitte Wefringhaus. Die Infos kommen tatsächlich aus erster Hand. Bei Nachfahren und Angehörigen haben sich die beiden über Dönekes von damals informiert, um jede Menge Neues zu berichten.

Da war zum Beispiel diese Sippe, die sogar den Bürgermeister erschießen wollte. Und dann gab es da noch diesen gewieften Küster aus St. Peter, der die Stadt um jede Menge Geld brachte. Wie? Das verraten die pfiffigen Zofen auf der eineinhalbstündigen Reise in die Stadtgeschichte. Damals bekannte Gesichter wie die Schultz-Mama oder Jüppken aus Recklinghausen treffen die Zeitreisenden auf der Route. Auch an der Alten Apotheke wird gestoppt. Nicht ohne Grund. Hier schlummern nicht nur spannende Erzählungen aus dem täglichen Leben, sondern auch der älteste Teil der inneren Stadtmauer von vor 1100.

Einmal im Jahr bieten Venn und Wefringhaus so eine besondere Führung an, jedes Mal zu einem anderen Thema. Ihr Antrieb: „Wir wollen, dass die Leute gerne in Recklinghausen wohnen“, so Venn. „Wir möchten ein Bewusstsein dafür erwecken, dass es sich lohnt, hier zu leben.“

Montag, 10. Juni, 15 Uhr, Stadtführung „Miktrinchen und Paulinchen plaudern aus dem Nähkästchen“. Startpunkt ist das Rathaus. Die Teilnahme kostet 5 €. Anmeldung ist nicht notwendig.

Ein Video zur Stadtführung mit Miktrinchen und Paulinchen finden unter www.stadtfuehrer-recklinghausen.de

 

Stubenmädchengehen voran

12.06.2019

Neue Stadtführung kommt gut an.


Altstadt. (tsol) Wer am Pfingstmontag in der Stadt unterwegs war, hat sich möglicherweise über eine große Gruppe gewundert, die quer durch die Innenstadt wanderte. Dabei handelte es sich um 50 Personen, die Brigitte Wefringhaus und Ursula Venn gespannt zuhörten.

Die beiden Stadtführerinnen hatten zu einer Sondertour eingeladen, die es jeweils nur zu Pfingsten gibt. Wurde noch im vergangenen Jahr das Thema „Aberglaube“ behandelt, so wurden in diesem Jahr spannende und lustige Inhalte unter dem Motto „Miktrinchen und Paulinchen plaudern aus dem Nähkästchen“ vorbereitet. „Das Thema für die Führung in diesem Jahr ist mir am nächsten Tag nach der letzten Sonderführung beim Frühstück eingefallen“, erklärte Brigitte Wefringhaus.

Das Duo hatte sich wieder besonders vorbereitet: Mit selbst genähtem Gewand samt Haube erklärten die beiden im Stil zweier „Stubenmädchen“, wie so manch ein Sprichwort zustande gekommen ist oder wie bestimmte Straßennamen entstanden sind. Zudem ging es aber auch um Skandale aus den letzten 200 Jahren, die sie erfuhren, als sie im Dienste vieler Familien standen.

Am Rathausplatz startete die Führung – und Miktrinchen (Ursula Venn) erinnerte sich an ihre Schulzeit, bei der sie zu Beginn singen musste. So begann die Führung ebenfalls damit, dass alle gemeinsam die ersten beiden Strophen des Volksliedes „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ von Paul Gerhardt intonierten. Danach ging es in Richtung Gustav-Adolf-Kirche, wo die Lästerei direkt begann: „In der Straße war es damals nicht schön, da es wegen dem Viehtor in der Nähe so gestunken hat.“ Weiter ging es dann in Richtung Marktplatz, an der Alten Apotheke vorbei in Richtung Paulsörter. Von dort aus lief die Gruppe durch die Innenstadt, bis sie am Marktplatz stoppte. Dort wurde noch ein letztes Mal gesungen, bevor die Führung dann locker auslief.

„Ich bin erstaunt, wie viele Geschichten ich schon kannte“, erklärte Christa Gose, die sich unter die Besucher mischte, „einige davon waren mir schon von meinem Vater oder Großvater bekannt.“ Auch Anja Tuppek hatte sich der Gruppe angeschlossen: „Ich besuche stets aufs Neue wieder die Führungen. Die beiden gestalten sie immer wieder sehr umfangreich.“

   

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