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Aus der Recklinghäuser Zeitung
Donnerstag, 26. Juli 2018
 

RECKLINGHAUSEN

„Unser Rathaus ist einfach wunderschön“


Von Bianca Munker

Die Begeisterung kann sie nicht verbergen: Brigitte Wefringhaus steht im neuen Trauzimmer im Erdgeschoss des Rathauses. Dass dieser Raum erst kürzlich frisch renoviert wurde, sieht man nicht nur, sondern man kann es auch riechen. Ein Geruch nach Wandfarbe macht sich darin breit. 

 

„Das ist ja toll geworden“, schwärmt die Stadtführerin und lässt den Blick über die Fototapete schweifen. Darauf ist die komplette Vorderfassade des Rathauses abgebildet. 

 

„Unser Rathaus ist einfach total schön. Es ist eines der schönsten in ganz Westfalen“, betont sie. Ehe Brigitte Wefringhaus das Trauzimmer verlässt, verrät sie: „Mein Mann Wilhelm und ich haben vor 60 Jahren im Dortmunder Rathaus geheiratet. Und das ist längst nicht so schön wie unsers in Recklinghausen.“ 

 

Das Wahrzeichen der Stadt wurde zwischen 1905 und 1908 gebaut. Es ist im Stil der Neo-Renaissance, einer Richtung des Historismus, errichtet. Dabei wurden bauliche Elementen der Architektur des Hochmittelalters nachempfunden. Es ist bereits das vierte Rathaus der Stadt, jedoch das erste, das sich außerhalb der Wälle befindet. 

 

„Die hohen Glasfenster zum Innenhof, die mit Buntglas verziert sind, erinnern mich an eine gotische Kathedrale“, berichtet Brigitte Wefringhaus weiter. Sie geht über die große Treppe in die erste Etage. Dort befindet sich die prägnante Wendeltreppe. Sie zeigt auf ihren Ornamenten die Kulturgeschichte der Menschheit. „Sie ist auch mit einigen Tieren geschmückt. Das ist immer besonders spannend für Kinder, wenn ich sie durch das Rathaus führe.“ Brigitte Wefringhaus deutet auf zwei der Tiere. „Die Eule ist das Sinnbild der Weisheit, die Schlange steht für die Klugheit.“ 

 

Apropos Kinder, mit denen begibt sich Brigitte Wefringhaus besonders gerne auf einen Rundgang durch das historische Gebäude. „Der Bürgermeister begrüßt Kindergartengruppen und Schulklassen wann immer es geht persönlich, zeigt den Kleinen sein Büro und überreicht den Jungen und Mädchen eine Anstecknadel.“ „Schauen Sie mal nach oben“, sagt Brigitte Wefringhaus und guckt hoch auf das schlossähnliche Gewölbe. „Früher waren die weißen Flächen farbig ausgemalt.“ 

 

Sie geht weiter zum Sitzungssaal. Das alte, schwere Parkett knarrt unter den Sohlen. Direkt daneben befindet sich das Kaminzimmer. Ein riesiger Leuchter schmückt den Raum. „Das war ein Geschenk eines anonymen Spenders zur Einweihung am 17. Oktober 1908.“ Vom wem dieses großzügige Präsent wohl stammt – das ist nicht bekannt. Etwas anderes steht aber fest: Im Rathaus befand sich einst ein Gefängnis. Im heutigen Innenhofs des Restaurants „Ratskeller“ erinnert noch eine Tür, an der „Wache“ steht, an diese Zeiten. An der Fassade ist eine Szene mit einem Wächter und einem Hühnerdieb zu sehen. 

 

Denn auch die Außenmauern erzählen viele Geschichten. Besonders bekannt sind an der Ostfassade die Pilasterfiguren, die Berühmtheiten der deutschen Geschichte, wie Karl der Große, den möglichen Gründer Recklinghausens, die Taufe von Widukind und Hermann den Cherusker zeigen. 

 

„Unser Rathaus ist nicht nur von vorne schön, sondern auch von hinten.“ Brigitte Wefringhaus wirft einen Blick auf den Balkon an der Rückseite, der in Richtung Erlbruchpark zeigt. „Dort hat sich schon Bundespräsident Theodor Heuss den Bürgern der Stadt gezeigt.“